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Die LOGI Pyramide
– nur ein Modetrend?
LOGI steht für Low Glycemic Index (niedriger
glykämischer Index) was schon andeutet, in welche Richtung diese
Ernährungsform Empfehlungen ausspricht. Im deutschsprachigen Raum
wurde diese Methode durch den Ernährungswissenschaftler Nicolai
Worm und seiner Bücher „Syndrom X oder Ein Mammut auf den
Teller!“ und „Glücklich und Schlank.“ bekannt gemacht.
Der Titel „Syndrom X oder Ein Mammut auf den Teller!“ deutet
es schon an: Aufbauend auf der Ernährung unserer Vorfahren
versucht er uns eine Ernährungsform näher zubringen die nichts
mit etablierten Ernährungsdogmen zu tun hat.
Hier drei seiner
Kernaussagen:
-
Unsere Kost war seit jeher eine Mischkost
aus Fleisch, Fisch und pflanzlicher Ernährung, die sich nur in
geringem Maße blutzuckersteigernd auswirkt. Getreide spielte, im
Verhältnis zur Zeitspanne der Evolution des Menschen
praktisch keine Rolle. Wenn es vegetarisch lebende Völker gab,
waren sie absolut in der Minderheit.
-
Durch hochwertiges tierisches Eiweiß und
reichlich Fette aus Fisch, Schwarten, Knochenmark und Gehirn
wurde die Intelligenz des Menschen vorangetrieben.
-
Das Syndrom X, welches auch als
Metabolisches Syndrom oder auch Reaven-Syndrom (nach Gerry Reaven)
genannt wird, ist eine der zentralen Gesundheitsgefahren unserer
Zeit. Durch Bewegungsarmut, schlechte Fette und vor allem durch
große Mengen an Kohlehydraten kommt es zu einem Komplex aus
mehreren zusammenhängenden Krankheiten und Stoffwechselstörungen.
Das sind im einzelnen: Übergewicht, enorme Steigerung der
Triglyceride im Blut, hohe ungünstige Cholesterinwerte, hoher
Blutdruck, Herz- und Gefäßerkrankungen und zunehmender
Insulinresistenz mit der großen Gefahr an Diabetes Typ 2 zu
erkranken.
Welche Bedeutung hat der glykämische
Index (GI) bzw. die glykämische Last (GL)?
Der glykämische
Index beschreibt die blutzuckersteigernde Wirkung verschiedener
Nahrungsmittel. Unterschiedliche Arten von Kohlehydraten lösen
auch unterschiedliche Insulinantworten aus. Komplexe führen im
Durchschnitt weniger zu einer Belastung als die einfachen
Kohlenhydrate. Je höher der Wert ist, umso stärker wird der
Blutzuckerspiegel durch dieses Nahrungsmittel erhöht und umso
weniger ist es zum häufigen Verzehr geeignet.
Der GI hat aber
einen entscheidenden Nachteil:
Der
Blutzuckeranstieg wird dann gemessen, wenn man mit einem
bestimmten Nahrungsmittel insgesamt 50 g Kohlenhydrate aufgenommen
hat.
►Dies kann zu
falschen Empfehlungen führen, da nicht die tatsächliche
Kohlenhydratmenge eines Nahrungsmittels beachtet wird.
Ein gutes Beispiel
sind rohe Möhren im Vergleich zu einem
Baguettebrot. Beide haben
ungefähr denselben GI von 70. Isst man allerdings von beiden
Lebensmitteln 100g, hat man mit dem Baguettebrot 10mal mehr
Kohlenhydrate aufgenommen und damit auch eine wesentlich höhere
blutzuckersteigernde Wirkung. Besser sind Tabellen, die dies
berücksichtigen und eine Bewertung unter
Berücksichtigung des Kohlenhydratgehalts als glykämische Last (GL)
angeben.
Es gibt noch mehr solcher Fallstricke, die es schwer machen,
allgemeingültige Empfehlungen auszusprechen. Die glykämische Last
ist nicht nur von der Art der Kohlenhydrate abhängig.
►Auch die Methode der Zubereitung (z.B. gekocht oder roh), der
personenabhängige Stoffwechsel, der Ballaststoffgehalt und die
Kombination der Nahrungsmittel sind für
die
Blutzuckerwirksamkeit einer Mahlzeit bedeutsam.
In der Praxis hat
sich eine Beachtung aber dennoch bewährt. Auf den Internetseiten
des Hausärzteverbandes (mit 23 000
Mitgliedern der größte Berufsverband der deutschen Vertragsärzte)
ist das Resultat einer Studie abgelegt, die kohlenhydratarme
Diäten auf ihre Wirksamkeit überprüften.
Es wurden folgende Ergebnisse
erzielt:
Die Probanden, die
die Zufuhr von Kohlenhydraten senkten und den Fettanteil erhöhten,
hatten nach sechs Monaten einen durchschnittlichen Gewichtsverlust
von 5,7 kg. Die Gruppe, die mit einer fettarmen Diät ihr Gewicht
reduzieren musste, senkte ihr Körpergewicht um lediglich 1,8 kg.
Zudem gab es in der Gruppe mit hohem Fettanteil 14% weniger
Diätabbrüche, die Triglyceridwerte und der Nüchternglukosewert bei
zuckerkranken Personen wurden stärker gesenkt und der Anteil des
(guten) HDL-Cholesterins konnte um 20 Prozent erhöht werden (bei
unverändertem LDL-Cholesterin).
Ein Team der
Universität von Minnesota untersuchte ebenfalls die Auswirkung
einer fettarmen Ernährungsweise. Mark A. Pereira und seine
Kollegen entwickelten eine Diät mit 30 Prozent Fettanteil und eine
Diätform, in der nur 18 Prozent Fettanteil erlaubt war. Bei beiden
wurde die Kalorienaufnahme pro Tag auf 1.500 Kalorien reduziert.
Die Gruppe mit höherem Fettanteil orientierte sich stärker am
glykämischen Index.
Auch hier zeigten
sich deutliche Pluspunkte für Probanden, die auf eine fettreichere
Diät gesetzt wurden. In der fettreduzierten Gruppe fielen vier
Personen aus, in der Fettgruppe nur einer. Das lag vor allem
daran, dass die Diät einfacher durchzuhalten war. Die Teilnehmer
fühlten sich länger satt, waren seltener von Schwächeanfällen
betroffen und hatten insgesamt eine bessere Laune und Motivation.
►Als gesundheitlicher Aspekt waren die
Triglyceridwerte,
Entzündungswerte, Insulinresistenz und der Blutdruck besser und
was erstaunlich war, auch der Grundumsatz konnte durch die
fettreiche Diät gesteigert werden. Er lag um 80 Kalorien pro Tag
höher als in der fettarmen Gruppe. Mehr Fett und weniger
Kohlenhydrate fördert also das Abnehmen ohne den berüchtigten
Jojo-Effekt.
„In einer amerikanischen Studie
wurde die unterschiedliche Fettaufnahme beim Genuß von
Sahne-Milchshakes ausgewertet. Das Ergebnis war eindeutig. Die
Fettaufnahme in den Körper war bei gezuckerten Shakes um bis zu
60 Prozent höher als bei ungezuckerten Shakes. Genau denselben
Effekt hat man übrigens auch bei der Kombination von Fett mit
sogenannten "schnellen" Kohlenhydraten, etwa bei Schweinebraten
mit Knödeln“.
Quelle: Hessischer Rundfunk
Online, „Fit statt fett: So purzeln die Pfunde“, 02.10.2003
Wie sieht eine kohlenhydratarme (Low-Carb)
Ernährung nach dem LOGI-Prinzip
aus?
1. Stufe (Basis):
Obst, stärkefreies
Gemüse zubereitet mit viel gesundem Öl
2. Stufe:
Milchprodukte,
Geflügel, Fleisch, Fisch, Eier, Nüsse, Hülsenfrüchte
3. Stufe:
Vollkornprodukte,
Nudeln, Reis
4. Stufe (der
geringste Anteil):
Süßigkeiten,
Weißmehl, Backwaren, Kartoffeln
Die LOGI-Pyramide als Bild
Im Gegensatz zur
alten Ernährungspyramide heißt es also nicht mehr: „Esst viel
Kartoffeln, Brot, Nudeln oder Reis als Hauptnahrungsmittel,
sondern verzehrt mehr Obst, Gemüse, Salate und Öle gefolgt von
Nahrungsmitteln mit viel Eiweiß. Hauptargument für den höheren
Fett- und Eiweißanteil ist der erhöhte Verzehranteil an tierischen
Produkten in klimatisch kalten Gebieten. Das war z.B. in der
Eiszeit, die vor ca. 70 000 Jahren begann und vor 10 000 Jahren
endete. Weder Körner, Gemüse, Obst, Wildpflanzen noch Nüsse
standen in ausreichender Menge zur Verfügung. Zwangsläufig wurden
größere Mengen an Fleisch und fettreicher Fisch verzehrt und
werden auch heute noch „artgerecht“ verstoffwechselt.
►Der
Haupteffekt den diese Ernährung bringt, ist es mit einer möglichst
niedrigen Glukosebelastung Stoffwechselerkrankungen wie erhöhte
Cholesterin- und Triglyceridwerte, Diabetes,
Herz-Kreislauf-Erkrankungen und sogar Krebs vorzubeugen. Auch
Übergewicht kann dadurch schneller und gesünder reduziert werden,
da nicht Fett Übergewicht verursacht, sondern erst die Kombination
von Fett und leicht verfügbarer Kohlenhydrate.
Menschen, die Fett mieden und dafür
viel Kartoffeln und Brot aßen, litten häufiger unter
Herzkrankheiten. Denn Kohlenhydrate erhöhen die Blutfette und
senken das „gute“ HDL-Cholesterin – und zwar mehr als gesättigte
Fette. Damit fand Willett den ersten Anhaltspunkt dafür, dass
nicht die Fettmenge,
sondern die Fettsorte
für die Herzgesundheit eine Rolle spielt. Mehr noch, er
rehabilitierte Fett und seine Rolle für Herzkrankheiten, Diabetes
und Übergewicht.
Quelle: Kathrin Burger, „Kampf der
Mehlspeise“ ,
DIE ZEIT 01.04.2004 Nr.15
Walter C. Willett und seine Kollegen,
von der Harvard Medical School in Boston, hatten seit 1975 in den
drei größten epidemiologischen Studien die Ernährungsgewohnheiten
von 300.000 Amerikanern untersucht.
Eine dauerhafte
Ernährung mit viel Eiweiß?
►
Eine Diät nach dem
LOGI-Prinzip hat nichts mit der Atkins-Diät zu tun.
Dort werden vor allem tierische Produkte und Fett verzehrt und
dafür Obst, Gemüse und Getreide gemieden. Aber auch bei der
LOGI-Pyramide sollen viele proteinreiche tierische Lebensmittel
verzehrt werden. Die Argumente klingen zwar einleuchtend, aber
letztendlich muss jeder Mensch für sich selbst entscheiden, ob
Fleisch, Fisch und tierische Produkte überhaupt als Alternative in
Frage kommen. Dies können ethische Gründe sein aber auch
gesundheitliche, denn auch Fleisch und tierisches Eiweiß können im
Übermaß genossen Nachteile haben.
►Die
Begriffe Eiweiß-Speicherkrankheiten und Eiweißfasten oder
Eiweißabbau-Diät prägte der Facharzt für innere Medizin Lothar
Wendt (1907-1989). Wendt sah das Hauptproblem von vielen
Zivilisationskrankheiten in der dauerhaften Aufnahme von zuviel
denaturiertem und tierischem Eiweiß. Als Auslöser von Allergien
stehen wiederum Milchprodukte im Verdacht.
►Auch sind tierische Produkte aus der
Massentierhaltung gigantische Kalorienvernichter. 40% der
weltweiten Getreideernte wird für die Massentierhaltung der
Industrieländer verfüttert. Über die Hälfte davon wird aus den
Entwicklungsländern importiert. Besteht das Viehfutter aus
Getreide, so werden beispielsweise für die Produktion von einem
Kilo Rindfleisch bis zu neun Kilo Getreide benötigt.
Millionenfaches Leid der Tiere, klimaschädliche Methangase aus der
Rinderhaltung (wichtiger Faktor für Treibhauseffekt) und die
Belastung von Gülle für die Böden und das Grundwasser sind weitere
Argumente, die gegen eine Ausweitung der konventionellen
Tierhaltung stehen.
Es ist deshalb äußerst schwer, hier allgemeingültige
Empfehlungen auszusprechen. Auf alle Fälle lohnt es sich bei den
Kohlenhydraten auf die blutzuckersteigernde Wirkung zu achten.
Ganz grob kann gesagt werden, dass weißer Reis, verarbeitete
Kartoffeln, Weißbrot, Cornflakes, Baguette, Zucker, Cola,
Limonaden und Weißbrot eine relativ hohe Glykämische Last haben.
Eine mittlere GL haben z.B. Vollkornprodukte, Brauner Reis,
Salzkartoffeln, ungesüßtes Vollkornmüsli. Eine niedrige GL haben
fast alle Obst- und Gemüsesorten, Nüsse, Milch (Ausnahme
gezuckerte Milchprodukte), Kräuter, Wildpflanzen, Süßwasser- und
Meeresalgen. Überhaupt keine Auswirkung auf Blutzuckerspiegel
haben Fleisch, Fisch, Speiseöle und Wasser.
Aber
es spielt noch ein anderer Faktor eine Rolle, warum Ratschläge im
Bereich der Ernährung äußerst problematisch sind
Es besteht kein Zweifel, dass die LOGI-Methode viele richtige
Ansätze enthält und durch die relativ einfachen Richtlinien ist
sie auch ohne Mühe umsetzbar. Auch der oft schnelle Erfolg bei
Übergewicht und Stoffwechselkrankheiten gibt den Begründern und
Anhängern recht. Es bleibt nur eine offene Frage: Sind wir von der
Genetik her alle in Fell eingewickelte Steinzeitmenschen oder
könnten auch andere Faktoren bei der optimalen Ernährung eine
Rolle spielen? Um diese Frage zu beantworten, sollte man sich klar
machen, dass es keine Lebewesen mit identischen Eigenschaften auf
der Erde gibt.
So wird auch der Stoffwechsel jedes Menschen
nicht durch Ernährungsprogramme bestimmt, sondern durch die
individuellen Eigenheiten.
►Wie
groß der jeweilige Anteil an eiweißreichen, kohlenhydratreichen,
fettreichen Nahrungsmitteln und Vitalstoffen sein sollte, kann
deshalb von Mensch zu Mensch unterschiedlich sein. Vor allem
führen einseitige Ernährungsempfehlungen dazu, dass der
Stoffwechsel noch mehr ins Ungleichgewicht gebracht wird. Die
körperliche und geistige Leistungsfähigkeit nimmt dadurch stark ab
und der Vitalstoff-, Mineral- und Vitaminhaushalt wird empfindlich
gestört. Nicht selten führt dies zu Krankheiten oder was
mindestens genauso schlimm ist, zu Depressionen und massiven
Essstörungen.
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